| |
Das Dorf
Peenemünde wurde erstmals 1282
schriftlich erwähnt.
Mit Landwirtschaft und Fischerei versuchten die
Bewohner, den rauhen Lebensbedingungen zu
trotzen. Schon im 15. Jahrhundert nutzte man das
Dorf als Zoll- und Lotsenstation, bei ungünstigem
Wetter lagen Schiffe im Hafen.
Mit dem Befehl Wallensteins, eine schon
bestehende Schanze sternförmig weiter
auszubauen, begann für die Einwohner eine fortwährende
Bindung zum Militär. Der Ort lag an der
Mündung des Peenestromes strategisch günstig
– jeder Herrscher und Stratege wollte ihn
daher besetzen und für sich nutzen.
Zu den ohnehin schon plagenden Sturmhochwassern
und Abgaben traten also noch plündernde und
brandschatzende Soldaten. Der erste Eroberer war
ein dänischer König um 1628, der Schwedische löste
ihn 1630 ab. Nach dem nordischen Krieg mussten
die Schweden Peenemünde schließlich den Preußen
überlassen.
Als der 7jährigen Krieg beendet war, wurde die
Schanze auf Befehl von Friedrich dem II dem
Erdboden gleich gemacht. Nach einigen weiteren
Gefechten während der napoleonischen Zeit fiel
das gesamte Gebiet an die Preußen und es kehrte
Ruhe ein.
Als der Badebetrieb in den anderen Dörfern der
Insel Usedom anfing die Einwohner zu ernähren,
wollte auch Peenemünde
teil daran haben, blieb
jedoch ohne Erfolg. Letztlich war jede Chance
zum Bäderbetrieb 1935 vergeben, denn der
Ingenieur für Raumfahrttechnik Wernher
von Braun
hatte das Gelände für die
neue Heereswaffenversuchsanstalt entdeckt, diese
entstand kurz darauf auf dem Peenemünder
Haken. Im
Jahr 1936 begann
man mit dem Bau. Tausende Zwangsarbeiter
wurden gezwungen, hier unter unmenschlichen
Bedingungen zu arbeiten.
Es
entstanden eine Hafenanlage, ein Flugplatz, Straßen
und Eisenbahnstrecken. Weitere Bauten folgten
rasch, schließlich
war das größte und modernste
Forschungszentrum für Massenvernichtungswaffen
der Welt komplett.
Die Wissenschaftler mussten in
der Folgezeit erkennen, dass tausende
Menschen für ihre Forschung starben und
diese selbst einzig auf Vernichtung ausgerichtet
war. Verträge zwischen den
Wissenschaftlern und der NS-Führung belegen
dies. Es ist auch belegt, dass das NS-Regime
eine Forschung für rein friedliche Zwecke nicht
unterstützt hätte, die Heeresversuchsanstalt
verschlang Millionen Reichsmark.
Eine
Gedenkwand, 1970 von dem Usedomer Künstler
Klaus Rößler geschaffen, erinnert in
Karlshagen
an die Opfer. Die Versuchsanstalt wurde im
September 1943 in den Harz verlegt. Die
entgültige Räumung der Heeresversuchsanstalt
erfolgte im Februar 1945, am 4.Mai 1945
übernahmen die Russen das Gelände, ein
geplanter Wiederaufbau konnte aber von den
Westalliierten gestoppt werden.
Von 1948 bis 1958 war Peenemünde Standort für
sowjetische Flieger, und auch die DDR nutzte das
Gelände ab 1952 für militärische Zwecke. Nach
der Wende ging die NVA, und die Bundeswehr kam.
Erst mit deren
Abzug im Jahre 1996 war die Zeit der
militärischen Besetzung endlich vorbei.
Am 9.Mai 1991 konnte das
"Historisch-technische Informationszentrum"
eröffnet werden, allein in den ersten fünf
Jahren kamen eine Million Besucher. Es bietet
dem Interessierten eine breite Palette an
Informationen über die damalige Zeit. Besuchen
Sie Peenemünde und machen Sie
sich selbst
ein Bild.
zurück
|